Im letzten Blogbeitrag zum Forschungsprojekt RENvolveIT haben wir erklärt, warum Information und praxisnahe Aufklärung für Energiegemeinschaften entscheidend sind. Diesmal nehmen wir Sie mit auf eine echte Entdeckungsreise: Vertreter:innen aus Tschechien, den Niederlanden und Österreich haben bei einer Studienreise nach Brünn und Wien voneinander gelernt. Was lässt sich aus dem internationalen Praxisvergleich für Österreich mitnehmen?
Unterschiedliche Systeme - ähnliche Herausforderungen
Energiegemeinschaften sind ein zentraler Bestandteil der Energiewende. Doch die Ausgangslagen und Erfahrungen in Europa könnten kaum unterschiedlicher sein – und genau da setzt das europäische Forschungsprojekt RENvolveIT an. Ziel ist es, voneinander zu lernen und praxistaugliche Ansätze im Energy Sharing gemeinsam weiterzuentwickeln.
- Österreich: Klare gesetzliche Rahmenbedingungen und reduzierte Netzentgelte schaffen Beteiligungsanreize.
- Niederlande: Wirtschaftlich stabile Energiegemeinschaften, das eigentliche Stromteilen aber noch ganz neu.
- Tschechien: Am Anfang rund um gesetzliche Regeln und digitale Prozesse – hier wird viel ausprobiert und entwickelt.
Dennoch zeigt sich europaweit ein ganz ähnliches Muster: Der Erfolg von Energiegemeinschaften hängt weniger von der Technik ab als vielmehr von Verständlichkeit, Organisation, Vertrauen und digitalen Werkzeugen, die Nutzer:innen gezielt unterstützen.
Praxisvergleich: Von Brünn bis Wien
Brünn: Digitalisierung und Alltagshürden
Der erste Stopp führte uns zu Frank Bold nach Brünn. Noch ist das Stromteilen in Tschechien neu – viele Regeln sind in Entwicklung, Unsicherheiten im Alltag spürbar. Im Mittelpunkt stand die Digitalisierung: Die südmährische Energiegemeinschaft präsentierte eine praxisnahe Softwarelösung – funktionsfähig, aber noch nicht optimal in der Bedienung. Unser Learning: Digitalisierung muss von und für Praktiker:innen gedacht werden, damit sie Nutzen stiftet.
Niederlande: Flexibel und wirtschaftlich stark
Die niederländischen Energiegemeinschaften beeindrucken durch Organisation und wirtschaftliche Stabilität – unterstützt durch staatliche Einspeisegarantien. Doch Energy Sharing ist hier erst seit 2024 gesetzlich möglich. Die Dorfgemeinschaft Loenen (Beispiel von André Zeijseink) zeigt, wie Crowdfunding und Vergütungen große Anlagen realisieren können. Das Thema Flexibilität wird aktuell zentral, da negative Strompreise die Wirtschaftlichkeit fordern. Die Lösung: gemeinschaftliche Speicher, die für Österreich und andere EU-Länder spannend sind.
Wien: Vorreiter bei Praxismodellen
Nächste Station: Wien. Hier zeigt Grätzl Energie eindrucksvoll, wie klare Gesetzgebung und attraktive Netzentgeltermäßigungen echte Planungssicherheit und Motivation zur Beteiligung bieten. Für Gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen (GEA) können bis zu 100 %, für regionale Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften 28–64 % der Netzgebühren entfallen. Auch Netzbetreiber profitieren: Lokale Stromnutzung entlastet das Netz. Ein Impuls von Andreas Eigenbauer (ehem. Vorstand E-Control und Smart Grids Austria) unterstrich, wie wichtig Flexibilität und innovative Ausgleichsmechanismen für ein Stromnetz mit über 80 % erneuerbaren Quellen sind.
Zentrale Erkenntnisse aus RENvolveIT und dem Ländervergleich
Die Erkenntnisse und Praxisbeispiele verdichten sich zu fünf Erfolgsfaktoren, die in allen Ländern gelten:
- Verständlichkeit vor Komplexität: Nur wer das Modell versteht, kann sich beteiligen.
- Digitale Werkzeuge als Unterstützung: Tools müssen den Einstieg erleichtern, nicht zur Hürde werden.
- Wirtschaftliche Stabilität verlangt Flexibilität: Speicher und smarte Strategien gewinnen an Bedeutung.
- Klare Anreize fördern Beteiligung: Seien es reduzierte Netzentgelte oder garantierte Einspeisevergütungen.
- Netzbetreiber als Partner: Kooperation und praktischer Erfahrungsaustausch stärken das Gesamtsystem.
Austausch auf Augenhöhe und praktische Tipps treiben die Weiterentwicklung – Innovation macht an Landesgrenzen nicht halt.
Fazit: Austausch als Motor für Entwicklung
Die Studienreise im Rahmen von RENvolveIT zeigt, wie wichtig der Blick über den Tellerrand ist – für Gemeinden, Unternehmen, Energieakteure und Bürger:innen. Energiegemeinschaften funktionieren dort am besten, wo Prozesse verständlich, digital unterstützt und wirtschaftlich sinnvoll gestaltet sind.
Unser Dank gilt dem internationalen Forschungsteam von RENvolveIT und allen Mitwirkenden aus Österreich, Tschechien und den Niederlanden, die diesen lebendigen Austausch möglich gemacht haben. Aus Vielfalt entsteht Fortschritt – und Österreich profitiert davon besonders.
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E-MailÜber das Projekt RENvolveIT
RENvolveIT ist ein europäisches Forschungsprojekt, das Haushalten, Gemeinden und Unternehmen den Einstieg in Energie-Sharing erleichtert. Die digitale Toolbox bietet Werkzeuge für Vernetzung, Planung und Beteiligung und basiert auf den Erkenntnissen vieler europäischer Workshops. Mit dabei: power solution als österreichischer Umsetzungspartner.
Dieses Projekt wurde durch die finanzielle Unterstützung der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unter der Projektnummer 5127011 ermöglicht und durch das Forschungs- und Innovationsprogramm Horizon Europe der Europäischen Union unter der Fördervereinbarung Nr. 101069750 gefördert.https://projekte.ffg.at/projekt/5127011

