Das österreichische Energiesystem befindet sich im Umbruch. Der Ausbau von erneuerbaren Energien schreitet rasch voran, Strompreise schwanken stärker und Netze stehen zunehmend unter Druck. Für Unternehmen stellt sich damit eine zentrale Frage: Wie kann Energie künftig verlässlich, wirtschaftlich und planbar genutzt werden?
Energiespeicher rücken dabei immer stärker in den Fokus und werden mit dem neuen Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) erstmals klar als strategischer Bestandteil des Stromsystems verankert.
Warum Energiespeicher jetzt relevanter werden
Die Bedeutung von Energiespeichern ergibt sich aus mehreren Entwicklungen am Strommarkt:
- Sinkende Einspeisewerte
Überschüssiger Strom aus eigener Erzeugung, etwa aus Photovoltaik, erzielt am Markt zunehmend niedrige, teilweise sogar negative Preise. Wer Strom direkt am Standort speichert und selbst nutzt, vermeidet Netzkosten, Abgaben und Marktpreisrisiken.
- Zunehmende Preisvolatilität
Strompreise schwanken im Tagesverlauf immer stärker. Preisunterschiede von bis zu 50 €/MWh sind keine Ausnahme mehr. Diese Schwankungen eröffnen wirtschaftliche Chancen, allerdings nur für Unternehmen, die flexibel reagieren können.
- Steigende Anforderungen an Netze und Versorgungssicherheit
Mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wird Flexibilität zum entscheidenden Faktor. Energiespeicher ermöglichen es, Erzeugung und Verbrauch zeitlich zu entkoppeln und damit Lastspitzen zu reduzieren.
Energiespeicher schaffen genau diese zeitliche Flexibilität.
Was sich durch das ElWG ändert
Mit dem ElWG werden Energiespeicher erstmals klar im gesetzlichen Rahmen des Strommarkts verankert und gezielt gefördert.
Das ElWG nennt Energiespeicher ausdrücklich als Bestandteil der nationalen Versorgungssicherheitsstrategie (§ 148). Sie sollen dazu beitragen, Netze zu entlasten, Lastspitzen abzufedern und das Stromsystem stabil zu halten.
Außerdem wird der „aktive Kunde“ gestärkt. Unternehmen können künftig Strom nicht nur verbrauchen, sondern auch:
- selbst erzeugen,
- speichern,
- zeitlich optimiert nutzen oder
- gezielt vermarkten.
Für Strommengen, die direkt vor Ort verbraucht oder gespeichert werden, fallen keine Systemnutzungsentgelte an. Das verbessert die Wirtschaftlichkeit von Speicherlösungen deutlich.
Das ElWG knüpft finanzielle Vorteile an den sogenannten systemdienlichen Betrieb. Energiespeicher sollen so eingesetzt werden, dass sie Kosten im Netz vermeiden oder reduzieren, etwa durch Lastverschiebung oder Flexibilitätsbereitstellung.
Für systemdienlich betriebene Speicher sind langfristige Befreiungen von Netznutzungs- und Netzverlustentgelten vorgesehen.
Kurzzeitspeicher im Unternehmensalltag
Für Unternehmen stehen derzeit vor allem Kurzzeitspeicher im Fokus. Sie speichern Energie über Stunden oder wenige Tage und erfüllen dabei drei zentrale Funktionen:
- Erhöhung des Eigenverbrauchs aus erneuerbarer Erzeugung,
- Nutzung von Preisunterschieden am Spotmarkt,
- Bereitstellung von Flexibilität für Netz und Markt.
Wichtig ist jedoch eine realistische Einschätzung: Nicht jeder Speicher rechnet sich automatisch. Wirtschaftlichkeit entsteht erst durch die richtige Dimensionierung, den passenden Netzanschluss und eine aktive Steuerung.
Das ElWG - kurz erklärt
Das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) bildet den neuen rechtlichen Rahmen für den österreichischen Strommarkt. Ziel ist ein sicheres, effizientes und flexibles Energiesystem mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien.
Das Gesetz stärkt die Rolle von Unternehmen als aktive Marktteilnehmer, fördert Flexibilität durch Speicher und Laststeuerung und schafft Anreize für einen systemdienlichen Betrieb von Erzeugungs- und Speicheranlagen.
power solution unterstützt Unternehmen dabei, diese neuen Rahmenbedingungen richtig einzuordnen und wirtschaftlich zu nutzen.
