Der gesellschaftliche und wirtschaftliche „Lockdown“ hielt Österreich in den letzten Wochen in Atem und Gewerberäume standen über einen längeren Zeitraum leer. Während die Unternehmen auf wirtschaftliche Förderungen angewiesen waren, wurde nach Strategien gesucht, die Liquidität zu erhalten und Kosten zu sparen. Dabei wurden die Energieverbräuche und -beschaffungsstrategien oft vernachlässigt.

Vergleichsweise hohe Stromverbräuche trotz Schließung der Betriebe

 Was im Verbrauch überraschend ist: Trotz der Schließung haben viele Betriebe immer noch einen vergleichsweise hohen Energieverbrauch. Das liegt daran, dass die Anlagen teilweise nicht auf einen vernünftigen Minimalbetrieb gesetzt werden und Detaileinstellungen vernachlässigt werden. Vor allem trifft das auf mittelgroße Betriebe zu. „Für diese Betriebe ist der Energieverbrauch in der Krise nicht die oberste Priorität. Das ist verständlich, kann aber zu unnötigen Kosten führen“, erklärt Roland Kuras, Geschäftsführer power solution. Eine gute Vorbereitung ist hier entscheidend – auch für die Wiederaufnahme des Normalbetriebs.

Hohe Schwankungsbreiten an den Strombörsen

Um die Energiebeschaffung zu optimieren, ist es wichtig, das Vorgehen auf den Strombörsen zu verstehen. Die Börse zeigte starke Ausschläge bei den Futures. Also jenen Produkten, die auf dem Terminmarkt langfristig gehandelt werden. Im April gab es Schwankungsbreiten von über 10% bei den Future Produkten für 2021 – Preiszone Deutschland.

Der Stromverbrauch in Österreich ist während der Corona-Krise im Bereich von 15 % gesunken. Dadurch haben die Spotmarktpreise besonders stark nachgegeben. Auf dem Spotmarkt werden Strommengen auf Stundenbasis für den nächsten Tag gehandelt. Im April lag der Preis in der Preiszone Deutschland im Mittel bei etwa einem Drittel im Vergleich zum Jahresmittelwert des Handels 2019 für das Jahr 2020.

Die Entwicklung der Preise an den Strombörsen wird stark von der europa- und weltweiten Wirtschaftsentwicklung und dem Angebot an alternativer Energie (Wind und Photovoltaik) geprägt sein. Geht man von einer länger anhaltenden schwachen Konjunktur aus, so werden auch 2021 die Preise noch auf einem niedrigen Niveau bleiben.

Dynamische Energiebeschaffung ist bei Großunternehmen bereits Standard

Bei Großverbrauchern geht es darum, eine mittelfristige Beschaffungsstrategie aufzubauen, welche schnell an die aktuellen Marktsituation angepasst werden kann. Dabei ist ein entsprechender Mix zwischen langfristiger Preisabsicherung (z.B. Futures) und kurzfristiger Energiebeschaffung (z.B. Spotmarkt) zu berücksichtigen.

Bei Großunternehmen ist die dynamische Energiebeschaffung schon üblich. „Die österreichischen Großunternehmen sind hier sehr aktiv, schauen sehr genau auf die Kostenstrukturen und haben sehr schnell reagiert. Etwa 1/3 des Stromverbrauchs in Österreich ist auf rund 150 Unternehmen zurückzuführen“, so Kuras.

„Das Problem liegt eher bei den klein- und mittelgroßen Betrieben. Diese setzen sich noch nicht genug mit der Beschaffungsstrategie auseinander und haben teilweise gar keine Möglichkeit auf die aktuelle Marktsituation zu reagieren. Das liegt oft auch an den Vertragsstrukturen. Hier liegt eine große Chance, aus der Krise zu lernen“, beschreibt Kuras.  

Energiebeschaffung über den Spotmarkt als Zukunftsstrategie

Viele mittelgroße Betriebe beziehen ihre Energie mit einer stabilen Preisabsicherung. Das gibt dem Kunden Preissicherheit, die Kosten und Bedingungen sind „eingefroren“ mit einer gewissen Verbrauchsschwankungsbreite. Das mag den Anschein haben, als wäre es die sicherste Wahl. Dem ist aber nicht so.

Eine sinnvollere Strategie ist die dynamische Beschaffung, wie auch bei Großunternehmen: Der Anteil der fixen Beschaffungsmenge sollte, abhängig vom Unternehmen, grob in einem Bereich von 50 bis 80 % liegen und immer an die aktuelle Marktsituation angepasst werden. Die offene Position wird über den Spotmarkt beschafft. Die Preise können natürlich stark schwanken, weshalb die Beschaffung für Kunden weniger transparent und mit einem gewissen Risiko verbunden ist. In den letzten Jahren hat sich die kurzfristige Beschaffung aber als günstiger erwiesen.

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